Haarfarbe ohne Ammoniak: Was sie kann und für wen sie sich eignet

Haarfarbe ohne Ammoniak ist in den meisten Fällen eine ganz normale Oxidationsfarbe, bei der ein anderes Alkalisierungsmittel die Aufgabe des Ammoniaks übernimmt: Sie riecht beim Färben deutlich weniger stechend, kann je nach Produkt graue Haare abdecken und das Haar um einige Stufen aufhellen. Sie eignet sich für Ton-in-Ton, Grauabdeckung und moderate Aufhellung – ersetzt aber weder eine Blondierung noch den Allergietest.

In diesem Ratgeber erfährst du, was hinter der Angabe „ammoniakfrei“ steckt, wo die Grenzen liegen und für wen sich solche Farben eignen.

Was Ammoniak in der Haarfarbe macht

In klassischen Oxidationsfarben sorgt Ammoniak für ein alkalisches Milieu. Das Haar quillt auf, damit Farbstoffvorstufen und Wasserstoffperoxid ins Haarinnere gelangen, und die Aufhellung des natürlichen Pigments wird unterstützt. Weil Ammoniak sehr flüchtig ist, entsteht dabei der typische stechende Geruch.

In der EU ist Ammoniak in kosmetischen Mitteln auf 6 % (berechnet als NH₃) begrenzt. Enthält ein Produkt mehr als 2 %, muss „Enthält Ammoniak“ auf der Verpackung stehen – ein Blick aufs Etikett lohnt sich also.

Was „ohne Ammoniak“ wirklich bedeutet

Auch ammoniakfreie Colorationen brauchen ein Alkalisierungsmittel. Häufig ist das Ethanolamin, auch Monoethanolamin oder MEA genannt. Es ist deutlich weniger flüchtig und riecht deshalb weniger. Automatisch schonender ist die Farbe dadurch aber nicht: Eine Laborstudie im Journal of Cosmetic Science (Bailey u. a., 2014) fand bei MEA-basierten Rezepturen – vor allem mit hohen MEA-Mengen – mehr Haarschäden als bei vergleichbaren Ammoniak-Rezepturen. Entscheidend sind die gesamte Formel, die Entwicklerstärke und die Anwendung.

Wichtig für die Praxis: Permanente ammoniakfreie Farben werden weiterhin mit Entwickler angemischt. Und für viele Farbstoffe in Oxidationsfarben schreibt die EU den Warnhinweis „Haarfärbemittel können schwere allergische Reaktionen hervorrufen“ vor. Dieser Hinweis hängt an den Farbstoffen, nicht am Ammoniak. „Ohne PPD“ ist deshalb eine eigene Angabe: PPD (p-Phenylendiamin) ist eine Farbstoffvorstufe. KYO zum Beispiel gibt seine Farbe als ammoniak- und PPD-frei an. Eine Garantie gegen Unverträglichkeiten ist keine der beiden Angaben.

Vergleich: Welche Farbe kann was?

Merkmal Oxidationsfarbe mit Ammoniak Oxidationsfarbe ohne Ammoniak Tönung (demi-/semipermanent) Direktziehende Farbe
Entwickler nötig Ja Ja Meist niedrige Stärke oder eigener Aktivator Nein
Graue Haare abdecken Ja, je nach Produkt Ja, je nach Produkt Teilweise, je nach Produkt Nicht vorgesehen
Aufhellung Ja, je nach Produkt und Entwickler Meist moderat, z. B. KYO Color laut Hersteller bis 4 Töne Kaum bis keine Keine
Geruch beim Färben Typisch stechend Deutlich schwächer Je nach Produkt gering Je nach Produkt gering
Haltbarkeit Dauerhaft, wächst heraus Dauerhaft, wächst heraus Wäscht sich schrittweise aus Wäscht sich aus
Typischer Einsatz Grauabdeckung, Farbwechsel, Aufhellung Ton-in-Ton, Grauabdeckung, moderate Aufhellung Auffrischen, Glanz, Tonen Kreative Farben auf vorgehelltem Haar

Den Unterschied zwischen Tönung und Coloration erklären wir ausführlich im Beitrag Tönung oder Coloration.

Für wen sich Haarfarbe ohne Ammoniak eignet

  • Für Kundinnen und Kunden, die den Ammoniakgeruch beim Färben als unangenehm empfinden.
  • Für Grauabdeckung und Ton-in-Ton-Ergebnisse, wenn das Produkt dafür ausgelobt ist.
  • Für Farbauffrischungen und eine Aufhellung um wenige Stufen.
  • Für Salons, die ein geruchsärmeres Arbeiten bevorzugen, etwa in kleinen Räumen.

Wann eine andere Lösung besser passt

  • Deutliche Aufhellung: Wer viele Stufen heller werden möchte, kommt an einer Blondierung meist nicht vorbei.
  • Bereits coloriertes Haar aufhellen: Eine Farbe hellt keine vorhandene künstliche Farbe auf. Dafür braucht es einen Farbentferner oder eine Blondierung.
  • Frühere Reaktion auf Haarfarbe: Laut den gesetzlichen Warnhinweisen soll dann nicht gefärbt werden – auch nicht mit ammoniakfreien Produkten.
  • Gereizte oder verletzte Kopfhaut: Auch in diesem Fall sehen die Warnhinweise vor, nicht zu färben.

Ammoniakfreie Farben bei Dr.Kalla

Die KYO Color Permanente Haarfarbe ist laut Hersteller ammoniak- und PPD-frei, deckt graue Haare ab und hellt bis zu 4 Töne auf. Angemischt wird sie mit dem KYO Bio-Activator in 3, 6, 9 oder 12 %. Farbe, Aktivatoren und Zubehör findest du gesammelt in der Kategorie KYO.

Für kreative Farben auf vorgehelltem oder blondiertem Haar gibt es die ammoniakfreie Black Professional Crazy Toner Farbcreme; laut Hersteller hält sie bis zu 10 Wäschen. Außerdem führen wir die Sintesis Color Cream von Black Professional in einer ammoniakfreien Ausführung.

Im FREELIMIX-Sortiment findest du ein Farbsystem mit über 100 Nuancen samt passendem Oxidant und Blondierpulver. Ob eine Farbe Ammoniak enthält, erkennst du an der Kennzeichnung auf der Verpackung. Einen Überblick über alle Colorationen gibt die Kategorie Haarfarbe.

So gelingt die Anwendung

  1. Den Allergietest so durchführen, wie es der Hersteller vorgibt – bei vielen Colorationen 48 Stunden vor dem Färben.
  2. Das Ausgangshaar prüfen: Naturton, Grauanteil und Vorbehandlungen.
  3. Farbe und Entwickler im vorgeschriebenen Verhältnis in einer nicht-metallischen Schale anmischen.
  4. Mit Handschuhen auftragen und die Einwirkzeit genau einhalten.
  5. Gründlich ausspülen und das Haar mit einer Pflege für coloriertes Haar versorgen.

Tipps speziell für graues Haar findest du im Ratgeber Graue Haare abdecken.

Häufige Fragen

Ist Haarfarbe ohne Ammoniak schonender?

Nicht automatisch. Sie riecht weniger, aber wie stark das Haar beansprucht wird, hängt von Rezeptur, Entwicklerstärke und Anwendung ab.

Deckt ammoniakfreie Haarfarbe graue Haare ab?

Viele permanente ammoniakfreie Farben sind dafür ausgelegt; KYO gibt für seine Farbe zum Beispiel 100 % Grauabdeckung an. Maßgeblich ist die Angabe des jeweiligen Produkts.

Brauche ich trotzdem Entwickler?

Ja. Permanente ammoniakfreie Colorationen sind Oxidationsfarben und werden mit Entwickler angemischt. Nur direktziehende Farben kommen ohne aus.

Ist ammoniakfrei dasselbe wie PPD-frei?

Nein. Ammoniak ist das Alkalisierungsmittel, PPD eine Farbstoffvorstufe. Ob ein Produkt ohne PPD auskommt, steht gesondert auf der Verpackung oder der Produktseite.

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