Blondierpulver oder Blondiercreme? Unterschiede und Anwendung
Von Hassieb Kalla · Dr.Kalla RedaktionTeilen
Blondierpulver und Blondiercreme hellen das Haar nach demselben Prinzip auf: Beide werden mit Oxidationsmittel angemischt und bauen das natürliche Pigment ab. Der Unterschied liegt vor allem in Konsistenz, Handhabung und Staub – Pulver lässt sich flexibel dosieren und ist bei Foliensträhnen verbreitet, Creme haftet gut, staubt nicht und wird gern für Balayage und Freihandtechniken genutzt.
Wie viele Aufhellstufen am Ende möglich sind, hängt weniger von der Darreichungsform ab als vom konkreten Produkt, der Stärke des Oxidationsmittels, der Einwirkzeit und dem Ausgangshaar. Dieser Ratgeber vergleicht beide Blondiermittel für die Praxis. Grundlagen zu Untertönen und Pflege nach dem Aufhellen findest du im Beitrag Blondierung & Aufhellung.
Was beide gemeinsam haben
Blondierpulver und Blondiercreme sind Aufhellungsmittel, die erst durch das Anmischen mit Wasserstoffperoxid aktiv werden. Als Verstärker enthalten Blondiermittel häufig Persulfate; die Technische Regel TRGS 530 für das Friseurhandwerk nennt sie ausdrücklich als möglichen Bestandteil von Haarbleichmitteln. Mischverhältnis, Stärke des Oxidationsmittels und Einwirkzeit legt bei beiden der Hersteller fest. Wer von Pulver auf Creme wechselt oder umgekehrt, muss deshalb immer die Anleitung des neuen Produkts lesen.
Die Unterschiede im Überblick
| Kriterium | Blondierpulver | Blondiercreme |
|---|---|---|
| Konsistenz | Pulver oder Mikrogranulat; die Mischung lässt sich innerhalb der Herstellerangaben fester oder cremiger einstellen | Creme oder Paste; bleibt dort, wo sie aufgetragen wird |
| Staub | Klassische Pulver können stauben; viele Salonprodukte sind als staubfrei oder „nicht flüchtig“ formuliert | Staubt beim Anmischen nicht |
| Mischverhältnis (Beispiele aus Produktangaben) | FREELIMIX Blue Bleach und KYO Extra Soft Blue: 50 g Pulver auf 100 ml Oxidationsmittel | Blondierungscreme mit Aktivkohle: 1:1 oder 1:2 |
| Maximale Aufhellung laut Hersteller (in unserem Sortiment) | je nach Produkt bis 6, bis 9 oder bis 10 Töne | je nach Produkt bis 7–8 oder bis 10 Töne |
| Typische Techniken | Foliensträhnen, Komplettaufhellung, Farbkorrektur | Balayage, Freihandtechniken, präzise Partien |
| Dosierung | Mit Messlöffel oder Waage; auch als Portionsbeutel erhältlich | Mit Waage portionieren |
Blondierpulver: flexibel und ergiebig
Blondierpulver ist im Salon der Klassiker. Du wiegst genau die Menge ab, die du brauchst, und kannst die Konsistenz im Rahmen der Herstellerangaben anpassen – praktisch bei Foliensträhnen, wo die Mischung nicht verlaufen soll. Viele moderne Pulver kommen als Mikrogranulat oder als „nicht flüchtige“ Formel, die beim Anmischen kaum staubt.
Die Aufhellleistung unterscheidet sich je nach Produkt deutlich: Das Black Professional Super Blond in Portionsbeuteln ist laut Hersteller für bis zu 6 Töne ausgelegt, das FREELIMIX Blue Bleach für bis zu 9 Töne. Für FREELIMIX nennt der Hersteller konkrete Richtwerte bei 50 g Pulver und 100 ml Hydrogen: 6 % und etwa 20 Minuten für 2–3 Töne, 9 % und etwa 30 Minuten für 4–5 Töne sowie 9 % und 40–45 Minuten für 6–9 Töne.
Blondiercreme: haftet gut und staubt nicht
Blondiercreme ist bereits cremig und staubt deshalb beim Anmischen nicht. Die Mischung haftet am Haar und läuft kaum, was bei Balayage und Freihandtechniken ein Vorteil ist: Du arbeitest ohne Folie und siehst genau, wo du schon aufgetragen hast.
Auch hier entscheidet das Produkt über die Leistung. Die Black Professional Blondierungscreme (250 g) ist laut Produktangabe für bis zu 7–8 Töne ausgelegt, die Blondierungscreme mit Aktivkohle für bis zu 10 Töne. Letztere wird im Verhältnis 1:1 oder 1:2 mit Oxidationsmittel von 10 bis 40 Vol. angemischt; die schwarze Creme macht sichtbar, welche Partien bereits bedeckt sind.
Aufhellstufen realistisch einschätzen
Angaben wie „bis zu 9 Töne“ beschreiben das maximale Potenzial unter passenden Bedingungen – nicht das Ergebnis jeder Anwendung. Wie weit du tatsächlich kommst, hängt ab von:
- der Ausgangshaarfarbe und dem Zustand des Haares,
- Vorbehandlungen wie Colorationen oder Pflanzenfarben,
- der Stärke des Oxidationsmittels und der Einwirkzeit,
- der Technik, zum Beispiel mit oder ohne Folie, am Ansatz oder in den Längen.
Welche Oxidationsstärke für welche Arbeit üblich ist, erklärt unser Ratgeber Entwickler richtig wählen. Eine höhere Prozentzahl ist dabei kein Abkürzungsweg: Sie erhöht auch die Belastung für Haar und Kopfhaut. Maßgeblich bleibt immer die Anleitung des Blondiermittels.
Welches Blondiermittel für welche Aufgabe?
- Foliensträhnen und Komplettaufhellung: häufig Pulver, weil es sich exakt dosieren und in der Konsistenz anpassen lässt.
- Balayage und Freihandtechniken: häufig Creme oder ein Pulver mit cremiger Textur wie das Black-Plex 9 Blondierungspulver, das laut Hersteller für bis zu 9 Töne ausgelegt ist.
- Kleine Mengen und Nacharbeiten: Portionsbeutel vermeiden angebrochene Großpackungen.
- Arbeitsplätze ohne Staub: Creme oder ausdrücklich staubfreie Pulver.
Sicher arbeiten: Staub, Handschuhe, Probesträhne
Für Friseurbetriebe gibt die TRGS 530 klare Hinweise: Staubende Blondiermittel sollen vermieden werden, bevorzugt werden Produkte ohne sichtbaren Staub – etwa Granulate, Pasten, Gele, „schwere“ Pulver oder Creme-Pulver. Beim Färben, Tönen und Blondieren sind geeignete Schutzhandschuhe zu tragen; für Arbeiten mit Friseurchemikalien schreibt die Regel Einmalhandschuhe vor.
Mische nur so viel an, wie du direkt verarbeitest, und nutze nicht-metallische Schalen, wie es die Hersteller angeben. Eine Probesträhne zeigt vorab, wie das Haar reagiert und welcher Unterton entsteht. Nach dem Aufhellen folgt meist ein Toner – wie du warme Reflexe neutralisierst, liest du im Ratgeber Gelbstich entfernen.
Häufige Fragen
Hellt Blondierpulver stärker auf als Blondiercreme?
Nicht grundsätzlich. In unserem Sortiment liegen die Herstellerangaben für Pulver zwischen „bis zu 6“ und „bis zu 10“ Tönen, für Cremes zwischen „bis zu 7–8“ und „bis zu 10“ Tönen. Entscheidend sind Produkt, Oxidationsmittel, Einwirkzeit und Ausgangshaar.
Kann ich Blondierpulver und Blondiercreme mischen?
Nein, nicht auf eigene Faust. Kombiniere nur Produkte, die der Hersteller ausdrücklich miteinander vorsieht.
Welches Oxidationsmittel brauche ich?
Das steht in der Anleitung des jeweiligen Blondiermittels. Oxidationsmittel von 1,5 bis 12 % findest du in der Kategorie Entwickler & Vorbereitung.
Ist Blondiercreme schonender als Pulver?
Die Konsistenz allein sagt wenig über die Belastung aus. Viele Pulver und Cremes enthalten Zusätze wie Plex- oder Bond-Komplexe; wie stark das Haar beansprucht wird, hängt vor allem von Haarzustand, Oxidationsstärke und Einwirkzeit ab.
Alle Blondiermittel findest du in unserer Kategorie Blondierung. Als Salon oder Studio mit Gewerbenachweis kannst du zusätzlich den Profi-Zugang anfragen.

